10 Gründe, mit dem Baby zusammen im Familienbett zu schlafen
von Jan Hunt
übersetzt aus dem Englischen von eulalie für Rabeneltern.org
Zusammen mit dem Baby
im Familienbett zu schlafen, hat den großen Vorteil das
Stillen für die Mutter während der Nacht zu erleichtern,
weil sie nicht aufstehen muss, sondern ihr Kind im
Halbschlaf anlegen kann, um danach einfach wieder
einzuschlafen. Auf diese Weise sind die Zeiten
unterbrochener Nachtruhe weniger anstrengend für die
Mutter, denn sie kommt trotzdem in den Genuss eines
erholsamen Schlafs. Das Schlafen im Familienbett fördert
somit eine längere Stillbeziehung mit allen Vorteilen
die diese für Mutter und Kind hat.
Der Schlafforscher
James McKenna ist der Überzeugung, das gemeinsame
Schlafen im Familienbett versetze Eltern in die Lage,
ihr Kind aktiv vor dem plötzlichen Kindstod zu bewahren.
Er betont, dass so die besten Voraussetzungen vorhanden
seien, damit umgehend die richtigen Maßnahmen getroffen
werden können, ehe das Kind in eine unangenehme oder gar
lebensbedrohliche Notlage gerät.
Atemstillstände in den
ersten Lebensmonaten sind normal und es ist
wahrscheinlich, dass die Atemgeräusche der Mutter/Eltern
die kindliche Atmung stimulieren und es so an das weiter
Atmen "erinnert" wird. Selbst wenn dieser Mechanismus
nicht funktionieren sollte, die Mutter ist in
unmittelbarer Nähe und kann das Kind gegebenenfalls
aufwecken. Bei stillenden Müttern, die mit ihrem Kind
zusammen schlafen, gleichen sich die Phasen des tiefen
Schlafs und des Traumschlafs einander an, so dass die
Mütter, selbst während sie schlafen spüren, wenn ihr
Baby Probleme hat und sofort erwachen, um es zu
versorgen. Wenn das Baby alleine schläft, ist eine
solche, vielleicht lebensrettende Maßnahme nicht
möglich.
Jede Gefahr für das
Kind, die während der Nacht entsteht, ist vermindert,
wenn ein Erwachsener in der Nähe ist. Babys und Kinder
sind verbrannt, sexuell missbraucht worden von
Verwandten, die zu Besuch waren, sind aus dem Bett
entführt worden, wurden von Haustieren attackiert, sind
am eigenen Erbrochenen erstickt, sind gestorben oder
wurden schwer verletzt auf die unterschiedlichste Art
und Weise. All dies hätte verhindert werden können, wenn
ihre Eltern in unmittelbarer Nähe gewesen wären, um
ihnen zu helfen.
Das gemeinsame
Schlafen im Familienbett wird häufig als Ursache für den
Tod durch Erstickung verantwortlich gemacht. Diese
Gefahr ist nur real unter zwei Voraussetzungen: ein
junger Säugling schläft im Wasserbett, was den Säugling
daran hindert sich aus einer bedrängten Lage aufrichten
zu können oder die Eltern stehen unter dem Einfluss von
Drogen (Nikotin, Alkohol, und anderen), die sie daran
hindern, für ihr Kind zu sorgen. Außer Frage steht, ein
Kind, das droht zu ersticken aus welchem Grund auch
immer (Schlaufe eines Kleidungsstücks, die sich um den
Hals zuzieht, Erbrechen im Schlaf, Asthmaanfall) wird
sehr viel eher einen Erwachsenen wecken, der gleich
neben ihm schläft, als einen Schlafenden in einem
getrennten Raum.
Das gemeinsame
Schlafen im Familienbett wird häufig mit sexuellem
Missbrauch der Kinder durch ihre Eltern in Verbindung
gebracht. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
Eltern, die eine innige Bindung zu ihren Kindern
entwickelt haben, weil sie sich sowohl nachts, als auch
tagsüber liebevoll um ihre Kinder kümmern, sind weniger
gefährdet, gewalttätig in jeglicher Form gegenüber ihren
Kindern zu werden. Umgekehrt, die Tatsache, dass Kinder
in ihrem eigenen Zimmer schlafen, war noch nie ein
angemessener Schutz vor sexuellem Missbrauchs durch ein
Elternteil, sondern macht es für diesen eher einfacher,
sein Tun zu verheimlichen.
Darüber hinaus kann
das gemeinsame Schlafen im Familienbett Kinder vor
gewalttätigen Eltern schützen, weil auf diese Weise am
ehesten gewährleistet ist, dass alle ausreichend Schlaf
bekommen und somit nicht unter permanenten
Erschöpfungszuständen leiden, was im allgemeinen die
Toleranzschwelle für Gewaltbereitschaft sinken lässt.
Das Kind braucht nicht unnötig zu leiden oder zu
schreien, damit seine Mutter nach ihm sieht und die
Mutter kann es im Halbschlaf stillen und umsorgen. Die
ganze Familie erwacht erholt, ohne negative Gefühle dem
Kind gegenüber, das nicht durchschläft. Ein
überfordertes Familienmitglied ist die größte Gefahr für
ein Kind, Opfer von elterlicher Gewalt zu werden. Ein/e
gut ausgeschlafene/r Mutter oder Vater genießen das
gemeinsame Schlafen, erfreuen sich an ihrem friedlich
schlummernden Kind neben ihnen.
Das Schreien ist die
einzige Möglichkeit für das Baby, sich bemerkbar zu
machen, um seinen Eltern zu signalisieren, dass es sie
braucht. Endloses Schreien bedeutet Stress für alle
Familienmitglieder. Je eher die Bedürfnisse des Kindes
gestillt werden, desto eher bekommen alle die Erholung,
die sie dringend brauchen und umso mehr Energie ist für
den Tag vorhanden. Eine junge Mutter, die zusammen mit
ihrem Kind schläft, verinnerlicht die sensiblen
Antennen, die zunächst alle Mütter für ihre Neugeborenen
haben, und versetzt sie in die Lage, das Kind schneller
zu beruhigen, ihm und allen Familienmitgliedern somit
unnötigen Stress zu ersparen.
Geschwister, die
zusammen schlafen, entwickeln häufiger eine tiefere
emotionale Bindung zueinander, was sich auch auf ein
friedlicheres Miteinander während des Tages auswirken
kann. Geschwister, die Tag und Nacht zusammen sind,
haben eher die Gelegenheit ein inniges und dauerhaftes
Verhältnis zueinander aufzubauen. Babys und Kinder, die
während des Tages von ihrer Familie getrennt sind
(Eltern arbeiten, Geschwister in der Schule) tanken das
Bedürfnis nach Nähe während der Nacht wieder auf.
Studien über Patienten im Koma, beweisen, dass die Anwesenheit von einer anderen Person im Raum, Herzschlagfrequenz, Herzrhythmus und Blutdruck des Patienten positiv beeinflussen. Es erscheint vernünftig anzunehmen, dass bei Babys und Kindern ähnliche gesundheitliche Vorteile hervorgerufen werden, wenn sie mit vertrauten Personen im selben Raum sind.
Ein Kind, das Tag und Nacht umsorgt wird, fühlt sich in seinem Glauben an die Liebe und Unterstützung seiner Eltern bestätigt, anstatt mit Gefühlen wie Angst, Ärger und Einsamkeit Nacht für Nacht zurechtkommen zu müssen. Kinder, die sich während der Nacht dicht neben ihren Müttern und/oder Vätern sicher fühlen durften, wachsen zu Erwachsenen heran, die besser mit unausweichlichen Stresssituationen, die das Leben nun mal mit sich bringt, zurecht kommen. John Holt bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Liebe und Geborgenheit in der frühen Kindheit erfahren zu haben, hat nichts mit Verwöhnen gemein, sondern ist wie ein dickes Bankkonto: ein Fundament aus Selbstachtung und Selbstsicherheit, von dem das Kind zehren und die Herausforderungen des Lebens meistern kann."
Quelle: www.Rabeneltern.org
Der Originaltext kann nachgelesen werden unter:
- Ten Reasons to Sleep Next to Your Child at Night - von Jan Hunt.
Weitere Quellen:
Dr. James J. McKenna, Professor of Anthropology, Director of the Center for Behavioral Studies of Mother-Infant Sleep, Notre Dame University
John Holt (1923-1985), Autor und Leitfigur der Schulreform (Homeschooling) in den USA