Ammenmärchen über das Stillen
Ich habe zu wenig Milch
Über 95 %
der Frauen können voll stillen, wenn sie das wollen. Form und Größe der
Brust, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, haben nichts mit der
Fähigkeit, stillen zu können, zu tun. Das Brustdrüsengewebe vermehrt sich
bereits während der Schwangerschaft. Ein Neugeborenes, möglichst gleich nach
der Geburt angelegt, löst beim Saugen Hautnervenreize aus. Diese
veranlassen, dass die Hormone Oxytocin (bewirkt, dass sie Milchbläschen und
Milchgänge zusammenziehen und die Milch herausdrücken) und Prolaktin (regt
die Milchproduktion an) freigesetzt werden. Allein das Anlegen nach Bedarf
fördert die Milchproduktion und stellt sie auf die Nachfrage des Kindes ein.
Jedes Fläschchen künstlicher Säuglingsnahrung, das zugefüttert wird, ist der
Anfang vom Abstillen.
Mein Baby verträgt meine Milch nicht
Reife Muttermilch ist bei allen Frauen in Art und Zusammensetzung gleich. Vor allem junge Babys neigen dazu, während oder nach dem Stillen einen Teil oder manchmal sogar die ganze Mahlzeit im Schwall wieder auszuspucken. Nimmt das Baby gut zu und zeigt es sonst keine Symptome einer Krankheit (Fieber, ungewöhnliches Schreien), besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Im Zweifel, ob organische Ursachen beim Kind der Grund für das häufige Spucken sind, bitte immer den Kinderarzt/-ärztin aufsuchen.
Mein Baby schreit viel, weil Muttermilch allein es nicht satt macht
Es gibt immer wieder Phasen, da möchte ein Baby scheinbar ununterbrochen gestillt werden. Häufig sieht das so aus: das Baby trinkt kurz, nickt ein, wacht wieder auf, trinkt erneut usw. Dieses Stillverhalten nennt sich Clusterfeeding. Für junge Babys ist dies völlig normal und hat nichts damit zu tun, dass die Muttermilch nicht ausreicht. Ein weiterer Grund für das Clusterfeeding sind Wachstumsschübe. Durch das häufige Saugen an der Brust stellt sich die Milchproduktion auf die gesteigerte Nachfrage des Kindes ein. Aber auch das Zahnen, viel Unruhe, viele Besucher u. ä. können dazu führen, dass ein Baby schier „unersättlich“ zu sein scheint.
Wenn folgende Kriterien erfüllt sind, ist davon auszugehen, dass das Baby satt wird:
Gestillte Babys schlafen schlechter durch
Durchschlafen lernen ist ein individueller Reifeprozess, der bei jedem Kind unterschiedlich verläuft so wie Krabbeln, Laufen, Sprechen lernen etc. Die Ernährung spielt hierbei – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle.
Stillabstände müssen mindestens 2 h
betragen, weil Babys sonst Bauchschmerzen bekommen
Es wird immer wieder behauptet, dass zwischen den Stillmahlzeiten mindestens 2 Stunden Pause liegen sollten, damit nicht halbverdaute Muttermilch mit frischer Muttermilch vermischt wird, was zu Blähungen führen könnte. Das stimmt definitiv nicht. Wenn ein Kind nicht richtig angelegt ist, kann es passieren, dass es beim Saugen Luft schluckt, was zu Blähungen führen kann. Es kommt also unter anderem auf die exakte Anlegetechnik an und nicht darauf, wie häufig ein Kind gestillt wird.
Stillen führt zu Übergewicht bei Babys
Studien haben eindeutig ergeben, dass Stillen vor Übergewicht schützt. Ein Baby, das nach Bedarf gestillt wird, entwickelt ein Gefühl dafür, wann es satt ist, denn die Milch aus der Brust läuft nicht einfach heraus wie aus der Flasche. Das Baby muss aktiv an der Brust saugen, damit die Milch fließt. Deswegen wird es aufhören zu saugen, wenn es satt ist und kann durch das Stillen gar nicht überfüttert werden.
Mein Baby hat sich von alleine abgestillt
Ein Baby unter einem Jahr stillt sich normalerweise nicht selber ab, es sei denn, das Abstillen wird von der Mutter bewusst oder auch unbewusst (falsche Schlussfolgerungen) forciert. Gründe für die Brustverweigerung können insbesondere sein:
Saugverwirrung (kann durch
den Einsatz von Fläschchen und/oder Schnuller verursacht werden)
Stillstreik (oft Folge
einer Saugverwirrung)
Erkältung des Kindes,
insbesondere starker Schnupfen
Zahnen
zu viele äußere Reize, die das Kind ablenken
Mit viel Geduld und viel Körperkontakt ist es möglich, das Kind wieder zu bewegen, an der Brust zu trinken. Es empfiehlt sich, dazu Kontakt mit einer Stillberaterin aufzunehmen.
Muttermilch ist nach dem 6. Monat nicht
mehr nahrhaft
Reife Muttermilch bleibt in Bezug auf Kaloriengehalt (68 kcal/100 ml), Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate etc. in ihrer Zusammensetzung während der gesamten Stillzeit gleich. Ausnahmen: Die Milch der Mütter von Frühgeburten hat eine besondere Zusammensetzung und das Kolostrum (die Vormilch oder Neugeborenenmilch) ist besonders reich an Abwehrstoffen, deren Anteil in der Muttermilch nochmals mit ca. einem halben Jahr sowie im zweiten Lebensjahr ansteigt, also dann, wenn das Kind mobiler wird und Kontakt zu seiner Umgebung aufnimmt. In der Abstillphase ändert sich der Salzgehalt in der Muttermilch.
Bei Magen-Darm-Virus dürfen Babys keine
Muttermilch bekommen
Muttermilch ist die beste Heilnahrung nicht nur bei Magen- und Darmvirus.
Die Mutter muss während der Stillzeit auf
blähende Lebensmittel verzichten
Es gibt keine allgemeingültige Ratschläge, was eine Mutter essen sollte. Warnungen vor dem Genuss von blähenden Lebensmitteln, wie z. B. Kohl oder Knoblauch, sind rein theoretischer Natur. Allein das Ausprobieren bringt Erkenntnisse, ob und auf welche Lebensmittel ein Kind mit Blähungen reagiert.
Die Mutter darf während der Stillzeit
keine Zitrusfrüchte essen
Nicht jedes Kind reagiert nach dem Genuss von Zitrusfrüchten durch die Mutter mit einem wunden Po. Daher sollte durch umsichtiges Ausprobieren herausgefunden werden, ob dem so ist.
Nächtliches Stillen führt zu Karies
Auslöser
für Karies ist ein Bakterium mit dem Namen Streptokokkus mutans.
Weder Langzeitstillen noch nächtliches Stillen fördern Karies. Lange
gestillte Kinder, die auch zum Einschlafen und während der Nacht gestillt
werden, haben nicht mehr Karies als andere Kinder. Anders als beim
Dauernuckeln am Fläschchen werden beim Stillen die Zähne nicht ständig mit
Milch umspült, da die Milch erst weit hinter den Zahnleisten in den Mund
gelangt und von dort geschluckt wird. Selbstverständlich ist auch für
Stillkinder die regelmäßige Zahnpflege notwendig.
Nach dem 6. Monat brauchen Babys keine
Stillmahlzeit mehr in der Nacht
Auch nach dem 6. Monat ist die Nahrungsaufnahme in der Nacht nichts ungewöhnliches. Eine von Jelliffe und Jelliffe durchgeführte Studie ergab, dass Babys im Alter von 10 Monaten noch 25 % ihrer Muttermilchaufnahme in der Nacht zu sich nahmen.
Voll Stillen länger als 6 Monate führt zu
Eisenmangel beim Kind
Ein vollgestilltes Kind, das als reifes Neugeborenes auf die Welt kam, erleidet normalerweise keinen Eisenmangel. Das in der Muttermilch enthaltene Eisen wird zu 50% verwertet (Vergleich: Kuhmilch: 10%, mit Eisen angereicherte Säuglingsnahrung: 4%). Vollgestillte Kinder, die erst nach dem 7. Monat Beikost erhielten oder gar noch später, litten als Kleinkinder nicht an Blutarmut, im Gegenteil, ihre Hämoglobinwerte waren sogar besser als die von gestillten Kindern, die bereits vor dem 7. Monat Beikost erhielten (siehe Das Handbuch für die stillende Mutter).
Stillen länger als 6 Monate führt zu
einer zu engen Symbiose zwischen Mutter und Kind
Stillen ist Nahrung für Körper und Seele des Kindes. Ein Bedürfnis, das im wahrsten Sinne des Wortes gestillt wird, wird dann, wenn das Kind von seiner persönlichen Entwicklung her so weit ist, keins mehr sein und das Kind stillt sich von alleine ab.
Stillen länger als 6 Monate führt zu
einem hohen Schadstoffgehalt in der Muttermilch
Nein, diesen Zusammenhang gibt es nicht!
Spätestens, wenn die ersten Zähne kommen,
braucht das Baby feste Nahrung
Ob, ein Kind bereit ist, Beikost zu sich zu nehmen, hängt von folgenden Kriterien ab:
es ist in der Lage alleine
aufrecht zu sitzen
der Zungenstoßreflex,
durch den das Baby feste Nahrung automatisch wieder aus dem Mund
herausschiebt, hat sich abgeschwächt
es zeigt Bereitschaft zum
Kauen
es kann selbstständig
Nahrung aufnehmen und in den Mund stecken
es zeigt ein gesteigertes Stillbedürfnis, das sich nicht mit einer Erkrankung, dem Zahnen oder einer Veränderung in seiner Umgebung oder in seinem Tagesablauf in Verbindung bringen lässt
Kinder stillen sich nicht von alleine ab
Jedes Kind stillt sich definitiv von ganz alleine ab. Wenn Mutter und Kind die Stillbeziehung genießen, sollen sie so oft und so lange stillen, wie sie es möchten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für alle Kinder eine Stillzeit von mindestens 2 Jahren und darüber hinaus gerne länger, solange Mutter und Kind damit glücklich sind.
Stillen während einer erneuten
Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Fehlgeburt
Eine erneute Schwangerschaft und Stillen schließen einander nicht aus, vorausgesetzt, die Schwangerschaft verläuft ohne Komplikationen. Aus medizinischen Gründen empfiehlt es sich abzustillen bei:
Schmerzen in der
Gebärmutter
Blutungen
vorangegangenen
Frühgeburten
ununterbrochenem Gewichtsverlust der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft.
Ich musste wegen Medikamenteneinnahme
abstillen
In den allermeisten Fällen
gibt es alternative Medikamente, die mit dem Stillen vereinbar sind. Das
gilt insbesondere auch für Antibiotika. Sollte der behandelnde Arzt oder
Ärztin Zweifel haben, ob ein Medikament geeignet ist, kann er/sie sich bei
der
Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen und
Embryonaltoxikologie,
Spandauer Damm 130, 14050 Berlin, Tel.:
030-30308-111
oder direkt unter www.embryotox.de
Wenn ich selbst an einem Infekt erkrankt
bin, darf ich nicht weiterstillen
Im Gegenteil! Das Immunsystem der Mutter produziert Abwehrstoffe
gegen die Krankheit. Die Abwehrstoffe gehen in die Milch über und wirken
quasi wie eine für das Kind extra verordnete Medizin. Bei Kindern, die sich
bereits bei ihrer Mutter angesteckt haben, kann es sein, dass die
Abwehrstoffe in der Muttermilch zumindest bewirken, dass der
Krankheitsverlauf beim Kind nicht so gravierend und die Krankheit schneller
überstanden ist.
Im Übrigen gibt es fast keine Krankheiten der Mutter, die nicht mit dem Stillen vereinbar sind. Auch in diesen Fällen informiert das embryonaltoxikologische Institut in Berlin.
Stillen ruiniert den Busen
Das Brustdrüsengewebe verändert sich bereits während der Schwangerschaft, damit die Milchbildung sofort nach der Geburt durch das Saugen des Neugeborenen an der Brust, angeregt werden kann. Wer zu einem „Hängebusen“ neigt, der durch ein zu schwaches Bindegewebe verursacht wird, wird mit seinem Busen leben (lernen) müssen. Das Stillen ist sicher nicht die Ursache für einen „ruinierten“ Busen.
Durch Sport wird Muttermilch sauer
Unsinn!
Saugverwirrung gibt es nicht!
Von Klinikschwestern und selbst Hebammen hört man gelegentlich noch den
Satz, dass es die sogenannte "Saugverwirrung" durch Flasche oder Schnuller
nicht gäbe. Das verwundert nicht, denn wenn die ersten Folgen der
Saugverwirrung auftreten, sind Mutter und Kind längst wieder zu Hause und
auf sich selbst gestellt. Außerdem ist die Saugverwirrung nicht immer direkt
als solche zu erkennen: Nur wenige Kinder verweigern "einfach" die Brust,
häufiger zeigt sich eine Saugverwirrung durch:
(anhaltend) wunde
Brustwarzen
scheinbar unstillbaren
Hunger
geringe Gewichtszunahme
Milchrückgang bei der
Mutter
Koliken und Blähungen beim Baby
In diesen Fällen wird die "Schuld" gerne einer zu geringen Milchmenge der Mutter zugesprochen, obwohl es in Wirklichkeit am Einsatz des künstlichen Saugers liegen kann.
Eine Saugverwirrung tritt nur in den
ersten Wochen auf
In den ersten Wochen ist das Risiko am höchsten. Allerdings kann
auch später eine Saugverwirrung auftreten. Wird das Baby älter, steigt
außerdem die Gefahr, dass es "brustfaul" wird: Es zieht das einfachere
Saugen und den gleichmäßigen Milchfluss an der Flasche vor.
Bei Brustentzündung muss abgestillt
werden!
Bei einer Brustentzündung ist es entscheidend, dass die gestaute Milch
bestmöglich entleert wird. Nichts und niemand schafft das so gut, wie ein
effektiv saugendes Baby! Sollte eine Antibiotikagabe notwendig sein, können
stillfreundliche Medikamente gewählt werden.
Wichtig ist es, die möglichen Ursachen für die Brustentzündung zu kennen:
schlechte Anlegeposition
oder saugverwirrtes Baby
Stress der Mutter
unbeachteter Milchstau, eventuell durch zu rasches Abstillen oder Hinauszögern von Mahlzeiten
Bei Soor sollte abgestillt werden
Soor muss behandelt werden bei Mutter UND Kind. Niemand käme auf die Idee,
wegen Fußpilz ein Bein zu amputieren.
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Quelle: Rabeneltern.org